Nachdem unser lieber Urlaubsbesuch am 4. März von Martinique wieder abgereist ist, stehen für Marc und mich stehen nun erstmal wieder Bootsaktivitäten auf dem Programm.
An der Ankerwinsch haben wir zwar die abgescherte Schraube ersetzt (siehe Von Boje zu Boje), doch so richtig funktioniert sie immer noch nicht. Das Problem ist, dass sich beim Herunterlassen der Kette die Konuskupplung löst, so dass die Kette frei auslaufen kann, und sich beim Einholen des Ankers diese Verbindung nicht wieder schließt. Es scheint, als müssten wir die Teile auf beiden Seiten der Kupplung wieder fest mit einer Schraube verbinden. Dazu muss ein ausgeschlagenes Gewinde neu geschnitten werden. Wir bleiben daher noch in der Marina Point de Bout liegen, nehmen uns einen Mietwagen und fahren nach Le Marin, wo wir zum Glück gleich eine Metallwerkstatt finden, die uns sofort das benötigte Gewinde anfertigt.

Als wir nach erfolgreichem Werkstattbesuch gerade wieder zum Auto zurück laufen, treffen wir das Hamburger Pärchen wieder, das wir schon aus La Palma kennen und das uns später in Mindelo auf unsere Atlantiküberquerung verabschiedet hat. Die Wiedersehensfreude ist groß! Die beiden sind gerade erst angekommen, und da sie wegen technischer Probleme noch eine Weile auf der Insel sind und wir es nicht eilig haben, verabreden wir uns für das nächste Wochenende zu einer gemeinsamen Wanderung.
Wir sind froh, als wir nach zwei arbeitsamen Tagen mit Bootsarbeiten, Wäsche waschen, Einkaufen und diversen Besuchen in Baumärkten in die Ankerbucht vor der Anse Mitan umlegen. Hier ist es durch den leichten Wind nicht so drückend heiß, es gibt weniger Mücken und wir können zum Baden einfach von Bord aus in das klare Wasser hüpfen – wunderbar! Wir beschließen, noch eine Weile hier zu bleiben.

Für den nächsten Tag sind wir mit unseren Freunden verabredet, um gemeinsam eine Wanderung auf den Mont Pelée zu unternehmen. Wir werden von den beiden früh mit dem Auto abgeholt und steigen schon um neun Uhr morgens auf dem Wanderweg nach oben. Die Landschaft um den Vulkan ist als Unesco-Weltnaturerbe eingestuft und hat ihren ganz eigenen Charakter. Der Berg ist nicht von Wald bedeckt, sondern von dichtem, üppig grünen Gebüsch mit vielen interessanten Pflanzen, darunter auch Orchideen. Es ist bewölkt, doch immer wieder geben die Lücken in den Wolken den Blick auf steile grüne Täler, das Meer und die weiter im Süden liegenden Berge frei. Leider fängt es nach der halben Umrundung des Vulkankraters an zu regnen, außerdem ist ein Teil des Weges gesperrt. Statt eine Rundtour zu laufen, kehren wir daher um und laufen die gleiche Strecke wieder zurück. Durchnässt vom Regen kommen wir wieder am Auto an, und dort scheint auch wieder die Sonne.












Auf dem Rückweg machen wir zusammen eine wunderbare Mittagspause in einer Strandbar an der Westküste, und pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir zurück vor der Ankerbucht Anse Mitan. Wir sind uns einig: Was für ein schöner Tag, was für ein Glück, so reisen zu können!
Die nächste Woche verbringen Marc und ich vor allem auf dem Boot. Wir erledigen ein paar Kleinigkeiten am Boot und einige administrative Arbeiten, vor allem aber genießen wir das geruhsame Leben vor Anker. Wir haben es nicht eilig.

Nach ein paar Tagen kündigt sich ein anderer befreundeter Segler an. Wir haben ihn auf der Kapverdeninsel Sal kennengelernt und seitdem Kontakt gehalten. Er ist auf einem deutlich kleineren Boot als unserem allein über den Atlantik bis nach Brasilien und dann die Ostküste Südamerikas nach Norden gesegelt. Nun kommt er nach Martinique zu uns in die Ankerbucht Anse Mitan und wirft neben uns den Anker. Schon kurz danach sitzen wir zu dritt bei einem späten Frühstück auf der St‘ Raphaël zusammen und erzählen uns die kleinen und großen Abenteuer der Reise.

Wie wir sind auch unsere beiden Hamburger Freunde noch auf Martinique, so dass wir uns für das nächste Wochenende wieder zu einer Wandertour verabreden. Diesmal soll es zu den Didier-Wasserfällen etwas nördlich von Fort-de-France gehen. Die Tourbeschreibung, die wir am Abend vorher zugeschickt bekommen, klingt abenteuerlich. Wir sind gespannt.
Wieder sind wir recht früh unterwegs und finden auch gleich einen guten Parkplatz am Startpunkt des Weges. Über eine Brücke und durch einen Tunnel mit Fledermäusen gelangt man in einen tropischen Urwald. Bis zum ersten Wasserfall gibt es einen brauchbaren Weg, doch dann geht es mal auf Trampelpfaden auf und ab dem Ufer entlang, mal direkt durch das Flussbett. Schon bald geben wir den Versuch auf, über Steine balancierend trockenen Fußes voran zu kommen, und laufen einfach mit Schuhen durchs Wasser.
Die Natur ist faszinierend schön, und immer wieder bleiben wir stehen, um zu schauen und zu lauschen. Der beeindruckende zweite Wasserfall ist das landschaftliche Highlight der Tour, doch eigentlich fügt er sich einfach nur ein in die grandiose Vielfalt dieses wilden Flusstals mit seinem klaren Wasser, den riesigen Bäumen und der üppigen Natur. Wir entdecken Kolibris, Vogelspinnen, beeindruckende Große Achatschnecken, einen Flusskrebs, die riesigen Blüten der Großblumigen Pfeifenblume, jede Menge grüner Geckos und hören eine Drossel (Myadestes Genibarbis, wie sich bei späterer Recherche herausstellt), die wie der Spotttölpel aus dem Film Die Tribute von Panem klingt.











Nach der Wanderung fahren wir zurück zum Ankerplatz der St‘ Raphaël und mit dem Dinghy gemeinsam an Bord, wo wir zu viert gemütlich Kaffee trinken, baden und uns über Boote, das Langfahrtsegeln und manches andere unterhalten.
Abends sind wir bei unserem Bootsnachbarn eingeladen, der eine leckere Paella für uns gemacht hat. Wir genießen das Essen, vor allem aber das schöne Beisammensein. Es scheint, dass wir Langfahrtsegler ein besonderes Bedürfnis nach Zusammenkunft und Austausch mit anderen entwickeln. Auf jeden Fall freuen wir uns alle an diesen Treffen. Jeder von uns hat unglaublich schöne Reiseerlebnisse zu erzählen, doch jeder hat auch mit den Nöten des Seglerlebens zu kämpfen: Technische Probleme mit dem Boot, die persönlichen Grenzen beim Segeln und das Hadern mit den weiteren Reiseplänen. So gibt es für uns alle auch frustrierende Momente des Seglerlebens, und es tut gut, sich auch darüber untereinander auszutauschen.
Ich selbst grüble immer wieder über der Frage, wie unsere Reise weitergehen soll. So paradiesisch unser Leben an Bord auch scheint – manchmal fühle ich mich reisemüde und sehne mich wieder zurück in die Heimat. Inzwischen ist klar, dass wir mit dem Boot bis Juni nach Curaçao segeln werden, um es dort über die Hurricane-Saison bis November an Land stellen. Wir werden dann über den Sommer nach Deutschland zurückfliegen, worauf ich mich schon riesig freue. Wie es nach der Hurricane-Saison im November mit unserer Reise weitergeht, werden wir in den nächsten Monaten gemeinsam entscheiden.
Am 19. März holen wir in der Anse Mitan den Anker auf und machen uns auf den Weg nach Norden. Über Saint-Pierre wollen wir noch einmal nach Dominica, wo wir bisher nur einen kurzen Übernachtungsstopp eingelegt haben (siehe Von Boje zu Boje), und die Insel ausführlicher erkunden.
